Sonntag, 19. April 2015

Halorian Pendrik

Pendrik zog eine Zeitung aus dem Automaten, wie jeden Tag. Es war seltsam, fand Pendrik, dass in unserer modernen Welt, in der Raumschiffe durch Subrautore weit entfernte Planeten erreichten, in der Holografische Bildprojektionen die Nachrichten an jeder Magnetschienenstation verlasen und jeder mit einer Projektorbrille ein Bild direkt auf seine Netzhaut projektieren konnte ein so archaisches Format wie eine Zeitung immer noch beliebt ist und von den Menschen regelmäßig gekauft wird. Aber so sind die Menschen, dachte sich Pendrik, sie wollen etwas klassisches, etwas, dass sich mit ihrer Geschichte verbindet, etwas, dass nicht so flüchtig ist wie ein digitales Bild.

Allerdings hätte sich Pendrik heute, wie jeden tag die Zeitung sparen können. Es stand nichts darin, was er nicht schon wusste, das ständige Loben des Kaisers, das Verdammen der Aufständischen, die Predigt der Galimespriester und die Börsenkurse. Das wirklich Interessante hatte Pendrik über die Projektorbrille erfahren, in der es noch unzensierte Nachrichten gab. Ein Hohepriesteringenieur ist umgebracht worden, als er das neue Subraumtor besichtigte. Die Rationalisten haben sich zum Attentat bekannt.

Pendrik kümmerte sich nicht um Politik, zu anstrengend, zu gefährlich. Er war nur Wahrheitsfinder der Strafbehörde, er musste nur Indizien zusammenfügen, Täter dingfest machen und die tägliche Bürokratie abarbeiten. Da lohnte es sich nicht, über Politik nachzudenken. Zumal es heutzutage sehr gefährlich war, sich irgendwie politisch zu äußern. Die Spitzeln der Galimespriester waren überall, ebenso die Geheimgarde des Kaisers.

In der Magnetschienenbahn versuchte Pendrik trotzdem die Zeitung zu lesen, was nicht leicht war, so eng die Menschen in der Bahn gedrängt saßen. Plagora mochte vielleicht das Zentrum des Universums sein, der Hauptsitz des Kaisers und mit den Tempeln der Götter, aber die Magnetschienenbahn war alt, schäbig, eng und schmutzig. Und laut, und voller Sektierer, die mit ihren Missionarsversuchen die Fahrgäste belästigten.Heute war es ein Monotheist der durch das Abteil brüllte: „Galimes und Igomaz sind Hirngespinste, es kann nur einen Erschaffer geben. Das geschaffene kann nicht heilig sein, bekennt euch zum einen“ Er brüllte dies in einem fort. Pendrik war froh, als er aussteigen konnte.

Was für ein Kontrast der Hauptbahnhof in der zentralen Verwaltungsstadt doch zur schäbigen Magnetbahn war. Hier war alles sauber und steril. Kein Gedränge und voller Luxus. Detektoren an den Türen erkannten automatisch wohin man musste und wiesen den weg durch Lichtmarkierungen am Boden. War man jemand wichtiges, fuhr sogar ein Transportwagen vor. Pendrik hasste diese Dinger, er vertraute ihnen nicht. Niemand steuerte sie. Pendrik vertraute den Maschinen nicht, hatte er noch nie, egal wie oft die Hohepriesteringenieure versicherten, sie währen sicher und gesegnet, Pendrik ging, immer. Aber zum Glück war er nicht wichtig genug, um von so einem Monstrum abgeholt zu werden.
Die Soldaten der Kaiserlichen Garde, die hier in der Verwaltungsstadt an jeder Ecke standen waren ebenso Unheimlich. Pendrik erinnerte sich, dass es früher einmal viel weniger Gardesoldaten in den Städten gab, und diese waren auch weniger brutal ausgerüstet. Fast so wie er, normale Wahrheitsfinder und Sicherheitsbeamte. Aber inzwischen trugen sie vollautomatische Lähmer, hatten Ganzkörperpanzer, Sensorkameras, Schutzschilder, manchmal sogar tödliche Waffen bei sich. Da konnten die Zeitungen und die Nachrichtenhologramme noch so oft verkünden, das alles in Ordnung wäre, die Präsenz der Garde offenbarte das Gegenteil.

Pendrik war dort angekommen, wo er hin wollte, den Justiztempel, gewidmet dem Gott der Gerechtigkeit, Moyra. Sein Standbild war über dem Eingang, mit Flammenden Schwert in der rechten und dem Wort des Göttervater Krischmon in der linken Hand. Die Überlieferung sagte, dass Moyra von Krischmon ausgeschickt wurde, die aufständischen Götter unter der Führung von Regilos niederzuschlagen, nachdem diese Galimes entführt haben. Moyra scheiterte und Calimes wurde getötet. Krischmon weinte zehntausend Tage und Nächte über dem toten Körper seiner Tochter. Seine Tränen vielen auf das blaue Kleid der Göttin und wurden dort zu funkelnden Kristallen. Krischmon bestattete seine Tochter im Himmel, so dass die funkelnden Kristalle zu Sternen wurden. Dann schrieb der das Gesetz nieder und gab Moyra das flammende Schwert. Dieser sollte von nun an dafür Sorgen, das niemand mehr das Gesetz brach und alle Gesetzesbrecher mit dem Schwert niederstrecken.
Pendrik sah sich als Teil des Schwertes, seine Aufgabe war es, die Verbrecher niederzustrecken, ihre Verfehlungen aus Ihnen herauszupressen und sie zu richten.

In seinem Büro angekommen meldete sich der Hohepriester per Hologramm bei ihm:
- Pendrik, haben sie das neuste schon gehört?
- Was meinen Sie, eure Exzellenz?
- Das mit dem Attentat auf den Hohepriesteringenieur beim neuen Subraumtor.
- Ja, das habe ich mitbekommen, es sollen die Rationalisten gewesen sein
- Es ist viel schlimmer Pendrik, es wurde nicht nur der Hohepriester getötet, das gesamte Subraumtor wurde zerstört.
- WAS?

Pendrik schrack auf, er war erstarrt, war sowas möglich? Waren die Rationalisten wirklich so stark, es hieß immer, das sowas unmöglich war, es gab zu viele Sicherheitsvorkehrungen, zuviel Personal. Einen Priester zu töten, ja, das war möglich, aber das ganze Tor? Zehn Kilometer im Durchmesser aus Plastahl, mit Sicherheitssensoren alle fünf Meter, einem Schutzschild? Einer ganzen Armada der Kaiserlichen Garde.

- Eure Exzellenz, wie.. wie ist sowas möglich?
- Wir wissen es nicht, und es ist Ihre Aufgabe das herauszufinden Pendrik. Wir haben eine Rationalistin, sie befindet sich im Beichtraum 101, sie wissen was zu tun ist
- Jawoll Eure Exzellenz

Pendrik schaute in den Beichtraum 101 durch das Sichtglas und las nebenher die Akte der Probantin:

Marlan Hasmil, 23 Jahre alt, aus der Ragoda Provinz, aus ärmlichen Verhältnissen. Ihr Vater starb im Krieg auf der Seite der Rebellen, dadurch fiel ihre Familie in Ungnade. Marlan wurde mit 13 das erste mal verhaftet wegen Diebstahl (es war ein Stück Brot), nach mehrfachen weiteren Verhaftungen wurde sie mit 16 Inhaftiert und in ein Umerziehungskloster gesteckt, die Netzverlaufsaufzeichnungen lassen darauf schließen, dass sie sich in der Zeit mit den Idealen der Rationalisten vertraut machte, mit 20 wurde Sie entlassen, ein halbes Jahr später stand sie im Verdacht, Regierungseigentum beschädigt zu haben (zwei Schmelzlaserangriffe auf Statuen des Kaisers), letztes Jahr bekannte sie sich zu einem Attentat auf den Galimestempel in der Ragoda Provinz, bei dem zwei Hohepriester entstellt wurden (es war wieder ein Schmelzlaserangriff). Heute Morgen wurde sie verhaftet.
Und nun war sie in Pendriks Beichtraum. Auf den Beichtstuhl gebunden, mit den Elektroden an Stirnlappen und Hals, mit den Kanülen für das Wahrheitsserum in den Armen. Es war Dunkel. Nach dem üblichen Wahrheitsfindungskatechismus muss die Person 3 Stunden auf dem Beichtstuhl im Dunklen sitzen, ohne dass jemand zur Person spricht. Dann wird das Licht schlagartig eingeschaltet und das Ritual begann. Die Zeit warum, also schaltete Pendrik die Lichter an und begann die Wahrheitsfindung:

- Marlan Hasmil

Es erfolgte keine Antwort, keine Reaktion, Pendrik hatte das erwartet. Das Serum war schon am wirken. Also drückte Pendrik den Knopf, der eine synaptische Schmerzreaktion bei der Gefangenen auslöste. Sofort zuckte sie zusammen und war hellwach.

- Marlan Hasmil, wiederholte Pendrik seine Frage
- Ja.

Die Antwort war leise, aber zu hören. Laut Katechismus des Beichtens sollten die Antworten laut und deutlich sein und zu leise Antworten mit einer Schmerzreaktion bestraft werden, jedoch legte Pendrik da die Regeln sehr lasch aus.

- Sie gehören zu den Rationalisten?
- Ich glaube an das was man sehen kann

Das war keine Antwort auf Pendriks Frage, also ließ er eine Schmerzreaktion folgen

- Sie gehören zu den Rationalisten?

Wiederholte er seine Frage. Diesmal etwas lauter. Laut Katechismus des Beichtens war es nötig, dem Beichtenden klar zu machen, dass der Wahrheitsfinder das sagen hatte und das nur klare und direkte Antworten toleriert würden

- Nein

Diese Antwort überraschte Pendrik, aber es musste die Wahrheit sein, denn das Serum sorgte dafür, dass die Beichtenden nicht Lügen konnten, es zwang sie, die Wahrheit zu sagen, egal wie beschämend diese auch waren. Bisher konnte sich noch niemand gegen das Serum wenden, selbst die Geheimgardisten nicht.

- Gehören sie zu den Personen, die heute das Subraumtor gesprengt haben
- Ja
- Haben sie mit dieser Sprengung etwas zu tun?
- Nein
- Wissen Sie, wer mit dieser Sprengung etwas zu tun hat?
- Ja
- Wer ist dafür verantwortlich
- Sie, Halorian Pendrik, Wahrheitsfinder

Diese Antwort erschütterte Pendrik, das war wie ein Schlag in den Magen, instinktiv drückte er den Knopf für die Schmerzreaktion. Das konnte nicht stimmen, nein. Aber Marlan war unter dem Einfluss des Wahrheitsserums, sie konnte nicht Lügen. Oder doch? Haben die Rationalisten einen Weg gefunden, das Serum zu umgehen? Denn das konnte unmöglich die Wahrheit sein.

- Lügen sie mich an?

Pendrik schrie fast

- Nein, es ist die Wahrheit

Marlan war gelassen, aber Pendrik sah an ihren glasigen Augen, dass das Serum wirkte. Aber wie konnte das sein

- Wie kann ich dafür verantwortlich sein? Ich kann mich nicht erinnern, ich war immer schon Wahrheitsfinder.

Pendrik bekam Angst, ihm war klar, dass diese Beichte abgehört wurde, Ihm war klar, dass er wohl der nächste war, der auf dem Beichtstuhl sitzen würde. Und trotzdem, trotzdem musste er wissen, was Marlan da sagte, ihm wurde ganz schwindlig

- Das sind sie nicht, sie waren noch nie Wahrheitsfinder. Sie haben sich diese Identität zugelegt für das Attentat, sie haben das schon Jahre lang geplant. Nur als Wahrheitsfinder konnten Sie die letzten 10 Jahre immer wieder die Baustelle des Subraumtores besuchen, dort haben Sie die Ladungen angebracht, Stück für Stück

Pendrik taumelte

- wie, was... ich... das kann doch gar nicht sein

- Doch, sie sind Halorian Pendrik, aus der Ragoda Provinz, Als der Krieg verloren war, gingen sie in den Untergrund, sie schlossen sich niemandem an, weder den Rationalisten noch den Monotheisten, sie waren immer der Überzeugung, dass die Menschen frei entscheiden sollen, was sie glauben. Sie schrieben das Manifest der Freiheit und suchten einen Weg, das Kaiserreich zu stürzen. Sie sahen die Gewalt, die Unterdrückung und den Hunger, und sie fanden einen Weg. Sie überlagerten Ihr Gedächtnis mit einer künstlichen Erinnerung, die des Wahrheitsfinders. Ihre Leute schleusten Sie in den Tempel ein und sorgten dafür, dass sie zur rechten Zeit immer dass richtige Taten, wie ihre Reisen zum Subraumtor. Niemand hatte sie im Verdacht und ihr Gepäck war für die Garde Immun, solange sie als Wahrheitsfinder unterwegs waren. Gestern nun war es endlich soweit. Das Attentat auf den Hohepriester war nur Propaganda.

- Aber.. das..

- Und Sie haben nicht nur das Subraumtor vernichtet. Gestern war der Jungfernflug des Kaiserlichen Kreuzers. Das Tor wurde gesprengt, als das Schiff halb hindurch war. Keiner hatte überlebt. Niemand. Der Kaiser ist Tod. Sie, Halorian Pendrik, sie haben den Tyrannen ermordet.
Pendrik wurde Schwarz vor den Augen, Bilder stiegen in seinem Kopf hoch, verborgene Bilder, Bilder davon wie er Sprengsätze legte, getarnte Sprengsätze, in den Subraum verschoben, so dass sie nicht aufgefunden werden konnten, unzählige Ladungen bei unzähligen Besuchen auf der Baustelle. Wie oft war er da? 20 mal? 100 mal? Immer wegen Kleinigkeiten, wegen kleinen Verfehlungen die einen Tadel bedurften. Er erkannte Gesichter, Menschen, die er Tadelte, Namen lagen auf seiner Zunge, aber sie vielen ihm nicht ein. Es mussten Verschwörer sein, Mitglieder seiner Widerstands... Pendrik schluckte.. weiter Bilder stiegen in ihm auf, Bilder von Krieg, von Leid, von Hunger, Kälte, davon wie die Garde seine Familie exekutierte, davon wie die Garde ganze Dörfer niederstreckten, von Sklaverei, von Laserpeitschen, die Ihn in Gefangenschaft trafen. Bilder von einer Flucht, Bilder davon, wie er neue Theorien entwarf: Bilder von seinem Manifest.

Und Bilder von Marlan, er kannte sie, als sie noch klein war hatte er Sie gekannt, er kannte Ihre Geschichte.. Die ganze Erinnerung brach über Pendrik herein, und das versetze ihn in Panik. Nun wusste der gesamte Tempel, wer er war, er Pendik, der Kaisermörder, der größtmögliche Verbrecher, er war in der Falle, er würde hier Sterben, in seinem eigenen Beichtraum. Er öffnete die Augen und versuchte zu entscheiden ob die Garde schon unterwegs war. Er hatte keine Waffe dabei, das war bei der Beichte verboten, er wusste, dass er nicht fliehen konnte.

Und dann brach das Getöse über ihn herein, Blitze von Schmelzlasern durchzuckten den Raum, er hörte Menschen schreien, Steine zerbarsten, und überall die Blitze. Pendrik begriff, das war so geplant. Er nahm einen Stahlstuhl, zerschlug damit die Scheibe zwischen seinem Raum und dem Beichtraum, er öffnete Marlans Fesseln und Elektroden. Sie war zwar noch vom Serum benommen, konnte aber gehen. Er nahm sie bei der Hand, und schaute hinaus in das tobende Chaos, das die Schmelzlaser veranstalteten, brennende Menschen, Flüche, niemand schien die beiden zu beachten. Also rannten sie aus dem brennenden Durcheinander nach draußen. Auch dort beachtete sie keiner. Pendrik schaute sich um und sah ein Schwebetaxi, der Taxifahrer schaute ganz gebannt auf den Wahrheitstempel und die Figur von Moyra, die vor seinen Augen zusammenschmolz. Er beachtete Pendrik und Marlan nicht, drehte sich nicht einmal um, als das Taxi nach oben schwebte.

Erst als die Verwaltungsstadt außer Sicht war, begann Pendrik wieder richtig zu denken. Inzwischen war er sich wieder vollkommen bewusst, wer er war: Halorian Pendrik, der Kaisermörder, der, dem Tyrannen gab, was dem Tyrannen gehörte. Was Pendrik da noch nicht wusste war, dass dies der Anfang seiner eigenen Legende war.

Post Privacy

Die matrix, das reale,
digitalisiert mit jedem schritt
post privacy, das leben als event
selbstdarstellung zur selbstausbeutung
jede sekunde öffentlich
nichts privates
die zentimeter im kopf
veräussert
und es wird gefeiert

der nichtort
überlagert das tatsächliche
schatten der vernetzung
alles ist gespeichert
profile lügen nicht
dein leben im viritualen
einzige bestätigung der existenz

ich streame also bin ich
die beweise realer existenz
als zuckerbergs protokolle
androiden, äpfen, beeren, fenster
neue gefässe
der alte körper verkümmert
wir sind alle rasenmähermann

the dawn of man
schon lengst gekommen
rise of the maschine
internet of things
tracking your life
ist alles was zählt

wehe deine flat reicht nicht

leben im nichtort
verkümmerte existenz
daseinslose bloggospähren
grandiose diskrepanz
die seelen verhungern
wenn die likes blos stimmen

veräussertes leben
öffentlich zur schau
blossgestellt
der pranger durch sich selber
selbstbezichtigung
der hype zum nächsten hype

jeder will mal grosses leisten
und sei es nur als numa guy
klicks als neue währung
elende aufmerksamkeit
im weltweiten hirn schreiende
exmenschliche synapsen
grosse singularität
selbstbehauptung der netze
mit körper als deren sklaven

die digitale befreiung
möglichkeit zur revolution
frisst die kinder ihrer zeit
rebellen werden kunden
zu profilen
algorythmisch erfasste kenngrössen
totalitärer markenmacht

google ist der neue gott
facebook ein prophet
geforderte totale unterwerfung
focaultsches panoktium
dein smartphone ist ein zellenwährter

das digutale ist die neue welt
how brave she is
gekoppelte individialitäten
invormationsoverflow
die flucht in falsche bubbles
alle grenzenlos getrackt

nsa? Nsa? Was kümmert nsa
post privacy ist menschenrecht
egorecht
dein neuer digitaler lebenslauf
sekundengenau
herzschlag
fitness
zucker im blut
und da warst du auf chatroulette

und dahinter
verkümmert der mensch

Die Bewacherin

Die Asteroiden zogen stumm vorbei, wie schon seit Äonen. Sie waren kalt und gleichgültig und mayestätisch, viel älter als die Stahlkonstruktion die auf dem dritten Mond um Plagora im Schein des Zentralgestirns funkelte.
Plagora war der Verwaltungsplanet der Planetaren Konföderation, der älteste bekannte Planet, mit all den Historischen Denkmälern, der Plagorianischen Bibliothek, dem Kaiserpalast, der Verwaltungsstadt und dem ersten Raumbahnhof. Von hier aus starteten die Menschen in den Weltraum, von hier aus begann die Ausbreitung der Konföderation, jenes Gebilde, das Ordnung und Macht in den Sektor brachte. Hier hatte Halorian Pendrik die Verfassung ausgerufen, hier fand die Revolution ihren Anfang und ihr Ende. Und hier tagte der Ständige Rat der Planeten, über 130 Stück, plus deren Kolonien, es war ein ständiges Kommen und Gehen.

Es war ein kolosaler Anblick, wenn die Sternenschiffe im Orbit um Plagora aus den Subraumtoren stiessen, noch nie hatte es im gesammten bekannten Universum so grandiose Schiffe gegeben, sie fassten zehntausende von Menschen und abermillionen Tonnen Last. Die grössten von Ihnen passten nur knapp durch die Subraumtore und es brauchte erfahrene Piloten, sie zu manövieren.

All das interessierte die Asteroiden nicht, sie zogen stumm weiter vorbei. Sie wussten auch nicht, dass die Stahlkonstruktion auf dem dritten Mond nur ihnen galt. Die Konstruktion war ein Beobachtungsposten, er beobachtete die Asteroiden, schon seit hunderten von Jahren. Es war kurz nach der Pendrikianischen Revolution, nachdem die alten Götter gestürzt wurden, und man das plegorazentristische Weltbild aufgab und die Wissenschaft erblühte, als man festgestellt hat, dass die Asteoridenbahn sich immer mehr Plagora näherte. Man hatte Theorien aufgestellt und wieder verworfen, bis man auf die nun heute noch gültige Theorie kam: die Galaxie drehte sich um ihr Zentrum, und mit dieser Rotation verschoben sich die Positionen der Sternensysteme und Asteroidenlaufbahnen gegeneinander verschoben. Man berechnete die Verschiebung und fand heraus, dass die Asteroiden irgendwann einmal so nahe an Plagora herankamen, dass sie von dessen Anziehungskraft angezogen würden. Es wird er Untergang von Plagora sein. Der Tag an dem den Pagorianern der Himmel auf den Kopf fällt

Der Beobachtungsposten soll die Umlaufbahn der Asteroiden beobachten, dazu war eine Wissenschaftlerin abbestellt: Mirona Haschnus. Mirona war die vierunddreissigste Bewacherin. Sie lebte alleine auf dem Beobachtungsposten, das nun schon seit sieben Jahren. Sie mass die Umlaufbahn jedes einzelnen Asteroiden, bewachte die Funktion der Computer und Messinstrumente, lieferte tägliche Berichte und hatte ansonsten nicht sehr viel zu tun. Sie las viel, am liebsten die alten Mythen, Vorpendriksche Lyrik, zum Beispiel das Sternenlied:

Galimes, strahlend Glut
schmückendes Kleid
diamantenbesetzte Nacht
die durch Ewigkeiten wallt

Galimes, Göttinnen Pracht
vermählt dem Igomaz
brennende Glut
die die Nacht verbrennt

Galimes, kaltes Glimmern
des Seemans Pfad bewacht
Dichter träumen lässt
und ewig so besteht*

(* das Lied ist in Altplagoriansch, zum leichteren Verständnis für die Leser wurde es hier übersetzt)

Mirona glaubte an Galimes, die Sternengöttin, die von der Wissenschaft als Hirngespinst abgetan wurde. Aber wie konnten sich die Wissenschaftler anmassen, die Göttin zu wiederlegen, dachte Mirona, sie sassen nicht hier, so wie ich, und beobachteten tagein- tagaus das schmückende Kleid der Göttin, sahen nicht deren kalte Ruhe, bewunderten nicht deren Funkeln. Klar, die Wissenschaft hatte ihre Theorien über die Enststehung des Universums, glaubten an den Urknall. Das tat Mirona zwar auch, aber Mirona war überzeugt davon, dass dies alles kein Zufall war, sondern von den Göttern gelenkt wurde. Genau so wie die Asteroiden, die unweigerlich, früher oder später Plagora vernichten werden.

Mirona hat sich mit dem Untergang abgefunden, in den alten Geschichten war immer wieder die Rede vom Untergang und vom Neuanfang. Die Konföderation war schon alt und eingerostet, es gährte an den Aussenrändern und fremde Völker drangen immer mehr in die Kolonien ein. Es gab Sezessionsbestrebungen, und das alles wurde nur noch notbehelfsmässig zusammengehalten durch die Verfassung. So wie die alten Imperien untergingen, so muss auch Plagora untergehen, damit in dessen Asche etwas neues, noch grösseres und glanzfolleres entstehen. Bei Galimes, dachte Mirona, das Leben wird weitergehen.

Sie war gerade so in Gedanken versunken, als der Alarm losging, DER Alarm. Mirona schreckte auf. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass es zu Ihrer Lebzeit noch geschehen würde, aber da war es nun, der Alarm, DER Alarm. Mirona las die Messdaten aus. Es war eine grosse Asteroidenansamlung, zirka 40 Stück, einige fast ein viertel so gross wie der dritte Mond, sie waren auf Kollosionskurs, nichts wird sie aufhalten können. In knapp 34 Jahren werden sie Plagora erreichen und dann zerstören.

Sie sammelte die Unterlagen und leitete sie an die Zentrale Akademie weiter. Damit währe Ihre Ruhe nun zuende, bald würden unzählige weitere Wissenschaftler in die Station kommen, würden Messen und Messen und Mittel und Wege suchen, das Unheil zu verhindern. Aber Mirona wusste, dass es keinen Ausweg gab, und sie bedauerte das nicht. Bei Galimes, das unedliche Strahlenkleid der Göttin wird dieses schnelle Verglimmen einer Zivilisation nicht einmal bemerken

Danach

Es war besser, sich den Städten nicht zu nähern, also blieb ich auf den Hügeln. Man konnte nie wissen, was in den Städten noch überlebt hat an Menschen, Tieren, Säuchen - und was die Tiere und Säuchen mit den Menschen angestellt haben. Die Ruinen der Zerfallenen Zivilisation, sie ragten als Mahnmal in den Himmel. Die meisten waren still. Man hört zwar hin und wieder das das Zusammenkrachen der alten Wolkenkratzer, aber sonst nicht viel. Aber die Stille kann trügerisch sein. Sehr.

Wie lange war es nun her? fünf Jahre? sechs? da wagte ich mich in eine dieser zerfallenen Städte, es war keine Allzugrosse, und sie wirkte wie all die anderen komplett verlassen: aber ich habe mich geirrt. Sie haben sich in die Kanalisation und die Keller zurückgezogen, hausten wie Ratten: und benahmen sich auch so. Und sie hatten diese alten Spielzeuge der zerfallenen Welt, diese gefährlichen, die, die giftig waren, die die strahlten. Und man sah ihnen an, dass sie vergessen haben, wie man mit ihnen umzugehen hatte. Überall stank es nach Krankheit, nach Fieber, Eiter, nach Verfall, und man sah es ihren Gesicherern an: die Ekzeme, die Eitrigen Wunden, die Narben. Sie waren am Zerfallen. Und doch klammerten sie sich an das, was sie zerfallen lies. Mit Gewalt. Ich bin damals nur knapp entkommen, musste einige Töten (kein Verlust). Seither mied ich die Städte und ich war nicht der einzige.

Ich habe unterwegs immer wieder Siedlungen getroffen von Überlebenden. Gesunde Siedlungen, gesunde Menschen, die, wie ich, die Städte mieden und der Untergegangenen Zivilisation nicht nachtrauerten, die sich ein neues Leben aufbauten, ein hartes. Sie rodeten die Wälder, jagten, Bebauten die Felder. Einige setzen hin und wieder kleine Wasserkraftwerke ein um etwas Strom zu haben. Nicht viel mehr als für etwas Licht in der Nacht, aber die meisten verzichteten ganz auf die Technik der untergegangenen Welt, viele jagten sogar mit Pfeil und Bogen.
Es gab Hoffnung. In diesen Siedlungen. Dort pflegte man sogar Kultur, eine neue (oder war es eine Uralte?), man hatte Rituale, sogar eine Post die zwischen einigen Siedlungen funktionierte, es gab Feste, und es gab Kinder. Das machte am meisten Hoffnung.
Aber meist waren es versprengte Siedlungen, und es gab andere wildere Gruppen, Diebe, Wegelagerer, nicht so verdorben und verendend wie die, die ich in den Städten sah, keine Halbtote aus der Vergangenen Welt, lebendige Menschen, aber eben halt: Diebe und Wegelagerer.
Manchmal versuchte ich mit ihnen zu sprechen, manchmal klappte das sogar. Es waren keine teuflischen Menschen, Menschen nur, die die neue Freiheit anders interpretierten, manche wurden durch Not zu dem was sie waren. Und manche waren richtig Mutig, suchten die Städte ab nach Dingen, die man gebrauchen kann, vorallem Klingen, aber auch Töpfe, Werkzeug, Munition, Waffen, Stoffe. Man konnte mit Ihnen handeln.
Einige rühmten Sich auch dafür, die alten Städte anzuzünden, zu verbrennen. Es war ein Aberglaube: die untergegangene Zivilisation erfüllte sie mit Schrecken, darum wollten Sie ihre Mahnmale vernichten. Dass sie damit der Welt einen grossen Gefallen taten und die Seuchengefahr eindämmten, dass wussten sie nicht.

Diese Angst vor der untergegangenen Zivilisation, sie war begründet, wer weiss schon, was alles noch für Wunderwerk und Teufelszeug rumliegt, das kaput gehen und gefährlich werden kann.. All die Labore mit ihren Krankheiten, die Armeezentren mit ihren Waffen, die Kraftwerke mit ihren Strahlen, Minen im Boden, Laserstrahlen, automatische Flugroboter (Drohnen nannte man die früher). Die Zivilisation war mächtig darin, Werkzeuge zu bauen, mit denen Sie sich selber vernichten konnten. Und, schlussendlich, haben sie es ja auch getan.
Je schneller diese Reste verschwanden, desto besser.

Ich liess meine Gedanken schweiffen, als ich auf diese Stadt niedersah. Und ja, ich wurde etwas melancholisch. Auch wenn ich die Welt die unterging verdamme, manchmal vermiss ich ihre Annehmlichkeiten, Ihre technischen Spielereien, das Fernsehen, das Internet, Fastfood, die Verkehrsmittel, die Drogen, es hatte seinen Reiz. Aber die negativen Seiten überwogen: die Armut, das Elend, die Kriege, die Säuberungen, der Hass, am Ende die Kameras, die Verhöre, die Gasmasken, das Gift in der Luft, die Luftangriffe, die Panzer in den Strassen, die Massenerschiessungen und ganz am Schluss die grosse Bombe, die mit dem Pilz, die alles vernichtende.

Ich sah damals, wie so viele, das Ende kommen, und wir haben die Chance genutzt und sind, so gut es ging, so bald es ging, in die Berge und die Wälder geflohen, weg von den Kriegen, von den Städten, und wir sahen den Untergang aus der Ferne. Als die Gase und die Biowaffen zum Letzten Kreuzzug bliesen. Wenn der Wind falsch stand, konnte man den Geruch der Verwesung riechen.
Es waren harte Winter damals, und wir mussten viel neu lernen: wie man warme Kleidung macht, wie man jagt und Leder gerbt, wie man Pflügt, wie man die Wölfe von sich weglockt, aber wir haben überlebt.

Ich glaube, die Stadt, die vor mir lag brannte, es war schwer zu erkennen, da die Sonne dahinter unterging. Gut dachte ich, gut, eine weniger, eine weniger die mit ihrem Gift das die neue Welt verpesten konnte. Es gab mir Hoffnung für meine Aufgabe. Ich war nicht ohne Grund unterweg. Früher war ich das mal, aber nun nicht mehr.
Es gab Bestrebungen, das Land zu einen. Im Norden, da wo ich her komme, haben sich mehrere Siedlungen zusammengetan, sie wurden eine grosse Siedlung, sogar eine Stadt, man benannte Ordnungshüter, man gab sich ein Gesetz, man hielt sich daran, man gab sich eine Verwaltung. Es waren gute Gesetze, es war eine gute Verwaltung, von den Menschen gewählt, Demokratie nannte man das früher. Es gab dort wieder Schulen, und es wurden Bücher gelesen, und, wichtiger noch, neue geschrieben. Man versuchte die Fehler der Vergangenheit zu vermeiden (als ob dies jemals ginge) und versuchte nun, andere dazu zu bewegen, mitzuhelfen, um sich gegen Gefahren zu schützen.
Viele der Siedlungen durch die ich kam, waren interessiert, aber vorsichtig, man wollte sich nicht komplett anschliessen, man fürchtet das zu grosse noch, vorallem alles was nach Staat und Stadt roch, aber man nahm die Grundidee der Gesetze, viele gaben sich Sheriffs und liesen Vertreter wählen, einige schickten Repräsentanten in den Norden. Selbt einige Wegelagerer waren interessiert, gelobten die einfachen Menschen in ruhe zu lassen, liesen sich ganz auf den Handel ein.. und das Vernichten der alten, maroden, faulschen Städte.

Es war meine Aufgabe, die Siedlungen aufzusuchen und für den Bund zu werben, und nun stand ich hier, auf einer Anhöhe, vor der brennenden Stadt, und, dahinter das Meer in dem die Sonne unterging.

Das Geständnis eines Beamten

Ich bin Jokson Belwick, ich bin, ich war Angestellter des zweiten Hauptbüros der Datenabwicklung des Verfaschungssschutzes, wir nannten uns intern auch gerne scherzhaft die Spanner - wobei das gar nicht wirklich ein Scherz war: die Abteilung ist ja genau das.
Offiziell war unsere Aufgabe aus all den aufgezeichneten Kommunikationsmuster diejenigen herauszufiltern, die den Verdacht auf Terroristische Aktivitäten beinhaltete und diese zur Analyse weiterzugeben an höhere Stellen, damit sich diese ein Bild davon machen konnten. Dazu hat das System vorgefertigte Filter die die Kommunikation nach bestimmten Worten durchforstet: uns blieb dann die Feindurchforstung der Daten. Offiziell hatte ich nur Zugriff auf die Metadaten und öffentliche Profile: offiziell.. Inoffiziell lag uns alles vor, buchstäblich alles: Emails, SMS, Webprotokolle, Einsicht in Persönliche Profile auf den jensten Webdiensten, Kreditkartennummern, und all das. Uns lag alles vor.
Haben wir Terrorismus verhindert? Überlegen sie sich dies: ich war zwölf Jahre lang bei den Spannern, in dieser Zeit gab es alleine auf dem Gebiet des Europäischen Konglomerats 158 Attentate mit einer Todesfolge von mehr als 10 Personen, ausgefüührt von Islamisten, Nationalisten, Transhumanisten, Neo-Katholiken, der Helvetischen Maffia  und einigen Einzelspinnern. Keines dieser Attentate wurde durch unser System verhindert, und es gab bei uns nicht einmal den Ansatz eines Verdachtes.
Aber was taten wir dann sonst? Wie schon gesagt: wir waren Spanner. Wir verfolgten ganz persönliche Interessen und beobachteten Menschen ganz gezielt aus ganz persönlichen Interessen. Oh, glauben Sie mir, es gab mehr als einen Pädophilen in unserer Abteilung, was denken Sie, was die wohl beobachteten?

Mein Interesse lag eher bei den Süchtigen: diese konnte man immer gut erpressen, ich suchte mir einige raus, die im Tor Netzwerk kauften und verkauften, legte mir ihre Profile geziehlt an und wenn ich genug in der Hand hatte gegen sie, dann erpresste ich Sie und liess mich mit Bitcoins bezahlen; das funktinierte immer, denn ich hatte ja genug über Sie, um sie gegenüber allen anzuschwärzen. Oh, und wenn mir Menschen unbequem wurden, ich sie nicht leiden konnte, dann schob ich ihnen auch gerne mal ein Verbrechen unter. Wobei das meist gar nicht notwendig war: oft reichte es, eine Vertrauliche Email an ihren Arbeitsgeber oder ihre Frau weiterzuleiten, das war effektiv genug.

Das das alles ungesetzlich war kümmerte uns nicht, wieso auch, wir hatten sie doch alle in der Tasche, wer hätte was gegen uns unternehmen können? die Politik? währe nur ein Politiker auf die Idee gekommen, uns anzugreifen, hätten wir all die schmutzigen kleinen Geheimmnisse der Politiker an die Öffentlichkeit gebracht: hier ein Koksender Staatschef, oder ein Justizminister, der sich zu sehr für kleine Jungs interessierte und jeder, wirklich jeder hatte irgendwo eine Korruptionsleiche im Keller: wir waren unantastbar, wir wussten alles von allen und taten damit was wir wollten. Und genau so fühlten wir uns auch, allmächtig, wie Götter. Wir lenkten das Europäische Konglomerat. Bis...

Bis die Bombe hochging, direkt bei uns, in unserer Zentrale, im innersten, Allerheiligsten. Ich hab ihnen ja gesagt, dass wir kaum ein Attentat verhindern konnten, aber dass es uns traff, ausgerechnet uns, das hat sogar die gesammte Abteilung überrascht. Nichts davon ist uns jemals aufgefallen. Unser Untersuchungskomitees waren natürlich der Meinung, dass das Attentat von innen, von uns selber kommen musste, wer sonst hätte seine Spuren so gut verwischen können.
Natürlich hatten Sie recht, natürlich kam es von innen, aber es war sicher nicht nötig, Spuren zu verwischen, denn unsere Abteilung war blind, das war der Verfassungschutz schon immer. Und wissen sie wieso? Weil er ideologisch handelt und wir alle ideologisch Handelten, wir suchten nicht nach Wahrheit, sondern nach Bestätigung unserer Weltbilder, wir suchten uns bekannte Muster, Muster von denen wir glaubten, dass sie etwas bedeuteten, ganz abgesehen davon, dass wir ja alle zu sehr mit dem persönlichen Spannen beschäftigt waren. Nein, wir währen gar nicht in der Lage gewesen, dieses Attentat zu verhindern, da wir einfach nicht wussten, nach was wir zu suchen hatten. Das haben wir noch nie, nur wird ihnen das nie jemand ihnen gegenüber zugeben.

Aber wird sich daran etwas ändern? Nein, es ist ja schon wieder das Gerede davon, den Ettat der Kommunikationsüberwachung aufzustocken und ein drittes Hauptbüro zu schaffen, um noch mehr Daten zu sammeln, zu filtern, aufzubereiten, wie immer mit dem Argument der Terrorbekämpfung.

Simulationen

fotogeschoppte bilder, die uns von der reichhaltigkeit des lebens sogenannter freunde überzeugen sollen, übertünchen das banale des lebens der allermeisten. 140 zeichen die witzigkeit, klugkeit, interesse häuchelt bildet die fasade des ganznromalen. event, event, event, der tägliche event, das hetzen vom jetzigen zum nächsten, während wir doch blos auf den zug warten. ein neuer witz, eine neuer tweet, ein staatusbericht so wichtig, vermag nicht unsere innere leere zu füllen.

entfremdung, digitale entfremdung, flucht vor sich selber in ein konstruiertes leben, degradierte persönlichkeiten, als bloses anhängsel ihrer avatare, followerzahl und facebookfreunde als messlatte persönlichen erfolgs, kloudscores sind die neue währung. scene, hipster, neue namen für 15 minuten ruhm von dem nichts bleibt als asche, verbrannt in langen nächten quälender unsicherheit. zerstöhrerische diskrepanz, übermächtige profile, uns definierend, uns abstrahierend, uns zerstückelnd und erfriehrend.

öffentlichkeitswahn, aufmerksamkeitswahn, das netz der schauplatz ins zerstöhrerisch gesteigerten egoismus, egomanie als grundzustand der welt, uns selbst isolierend, von uns selber trennend, entfremdet, in verzweiflung reissend. digitale surrogate, geklonte halbexistenz, globaler selbstbetrug.

die digitalisierung zerfetzt ihre kinder


Das Brave der neuen Welt

es blinken synapsen in serverzentren dezentral alarm
formen körperwelten intimster gedanken global abrufbar
für werbungszwecke aufbereitet gut vermarkt
und auch für die nsa

individuuen, vormals menschen angeschlossen
an die autobahnen überlicht beschläunigter gedanekn
nach muster eingeordnete risikofaktoren
und einer schlägt alarm

wer hat sich seiner cloud enteignet und wieso
analysealgorytem forschen sichtlich verzweifelt
nach dem terrorindiz, das es wohl geben muss
und einer spricht auch an

politische vergangenheit in clustern dargestellt
linke gedanken, umstürzlerische idiome
nach musikgeschmack geurteilt und nach filmen
und die bombe geht hoch

schuldige werden gefunden, in sekundenschnelle
ihre schuld durch alte blogberichte bewiesen
metadaten offenbaren gefährliche netzwerke
und der schuldige bekennt

das warum bleibt fern
der täter selber schon gesprengt
die vergangenheit durchläuchtet
kein islamismus
kein fundamentaler gott
keine armut
kein krieg
kein unentdecktes leiden
leine schwere kindheit
kein motif nur einen satz
auf einem profil
im weltweiten netz:

ich bin des irrealen leid